Ist Tarifa ein guter Ort, um Kitesurfen zu lernen? 🪁

Inspiriert von Diskussionen in sozialen Netzwerken möchte ich euch eine professionellere Sichtweise auf Tarifa als Lernspot vorstellen. Viele glauben, dass eine flache Lagune mit wenig Wind der ideale Ort zum Lernen ist. Als Instruktor mit jahrelanger Erfahrung kann ich euch versichern: Das ist oft ein Trugschluss.
Flachwasser ist gefährlich
Neben meiner Arbeit als Instruktor bin ich Sporttherapeut mit Fokus auf Kitesurfen. Ich habe schon oft "Schleudertraumata" nach misslungenen Wasserstarts in flachem Wasser behandelt. In nur 50 cm tiefem Wasser landet man bei einem Sturz direkt mit dem Kopf im Sand. Ganz zu schweigen von Schnittwunden durch Muscheln oder den schmerzhaften Begegnungen mit Seeigeln beim Laufen im Wasser.
Hast du wirklich gelernt, wie man den Body Drag richtig macht?
In flachen Lagunen vernachlässigen viele Schulen das Training des Body Drags (das Steuern des Kites im Wasser ohne Board). Das ist ein fataler Fehler. Wenn du dein Board im tiefen Wasser verlierst und nicht weißt, wie du es per Body Drag zurückholst, bist du aufgeschmissen. In Tarifa üben wir von Anfang an im tiefen Wasser, was den Body Drag zu einer essenziellen Fähigkeit macht und dir echte Unabhängigkeit garantiert.
Flachwasser – ist es wirklich ein Vorteil?
Natürlich ist spiegelglattes Wasser angenehm für die ersten Meter. Aber wer nur unter "Laborbedingungen" lernt, schränkt sich selbst ein. Sobald du an einen Spot mit Wellen oder "Chop" (Kabbelwasser) kommst, wird dein Können drastisch sinken. Ich musste selbst schmerzlich erfahren, dass ich nach meinem Training in Ägypten an meinem welligen Heimspot fast wieder bei Null anfangen musste – eine sehr frustrierende Erfahrung.
Sind niedrige Winde wirklich sicherer?
Viele glauben, wenig Wind sei sicherer, aber technisch gesehen ist das Gegenteil der Fall. Der sicherste Weg zu unterrichten ist die Verwendung von kurzen Leinen (5m). Bei kurzen Leinen ist die Power-Zone winzig, was es dem Kite unmöglich macht, den Schüler unkontrolliert über den Strand zu ziehen.
Das Problem bei wenig Wind: Der Kite fliegt an kurzen Leinen kaum. Schulen weichen daher auf lange Leinen (25m) aus. Das ist gefährlich, da die Power-Zone dann so groß ist, dass selbst ein kleiner Kite genug Kraft entwickeln kann, um einen Schüler unkontrolliert in die Luft zu reißen.
Tarifa: Der beste Spot für echte Unabhängigkeit
In Tarifa, der "Windhauptstadt Europas", bieten wir das volle Spektrum: von Flachwasser bis hin zu Wellen. Da das Wasser tief ist, lernst du von Tag eins an, ein echter, selbstbewusster Kitesurfer zu werden. Wer im tiefen Wasser lernt, kann später überall auf der Welt sicher navigieren.
Zudem ist es technisch einfacher, Kitesurfen bei 30 Knoten zu lernen als bei 12 Knoten. Der Kite reagiert schneller, verzeiht Fehler eher und lässt sich viel leichter aus dem Wasser starten. Da wir dank des starken Windes mit kurzen Leinen arbeiten können, verstehst du das Verhalten des Kites viel schneller und machst rasante Fortschritte.
Warum hört der Wind in Tarifa niemals auf?
Die Magie von Tarifa ist reine Physik: der Venturi-Effekt. Tarifa liegt am schmalsten Punkt der Straße von Gibraltar. Die Berge auf europäischer und afrikanischer Seite bilden einen natürlichen Trichter, der den Wind komprimiert und beschleunigt. Dieser riesige "Windtunnel" garantiert uns fast jeden Tag in der Saison perfekte Bedingungen.
Wenn du ein guter, unabhängiger und vor allem sicherer Rider werden willst, der mit allen Bedingungen klarkommt, dann ist Tarifa "the place to be".




